Staudenflächen sorgen für Verwirrung

In den letzten Tagen und Wochen war mehrfach Verwunderung über so manche „Schotterfläche“ im Schorndorfer Stadtgebiet zu hören. Sind Schottergärten in Baden-Württemberg nicht verboten? Doch, aber die neuangelgeten Flächen haben, außer auf den ersten Blick, überhaupt nichts damit zu tun.
Marek Lihotan, unser Leiter der Betriebsgruppe Stadtgrün erklärt: „Die bekannten und verbotenen Schottergärten sind tote Steinwüsten, die wenig bis gar nicht bepflanzt sind und somit auch keine Nahrung für Insekten liefern. Meistens sind sie mit Unkrautflies oder Folie abgedeckt, so dass Wasser nicht versickern und ins Grundwasser gelangen kann."

Pflanzkonzept

Doch was hat die Stadt dann angelegt? Die Abteilung Stadtgrün des Fachbereichs Infrastruktur hat in Zusammenarbeit mit einer Landschaftsarchitektin ein zukunftsweisendes Pflanzkonzept für vorhandene Beete entwickelt. Dazu wurden stressresistente, tolerantere und trockenheitsverträgliche Wildstauden ausgewählt, beispielsweise Wermutarten, verschiedene Gräser und Wolfsmilcharten.
Zum Pflanzkonzept gehört aber auch, dass Wildbienen und andere Insekten in den Staudenbeeten reichlich Nahrung vorfinden. Deshalb wurden vermehrt attraktive und bestäuberfreundliche Doldenblütler, Salbeiarten oder Korbblütler verwendet.

Mineralischer Mulch

Bei dem „Schotter“ auf den Beeten handelt es sich um eine mineralische Mulchschicht, wie etwa aus Muschelkalk-Splitt, welche das Wachsen von Unkraut verhindert und die Feuchtigkeit im Boden hält.
Außerdem schützt der Mulch die Pflanzen im Winter vor dem Erfrieren und gleicht Temperaturschwankungen aus.

Natur nah dran

Auch die „Natur nah dran“-Flächen im Stadtpark, an der Grauhalde und an der Sommerrainschule können aktuell noch fälschlicherweise als Schottergärten gesehen werden. Doch „Natur nah dran“-Flächen werden bepflanzt, Schottergärten nicht, sie sind ökologisch nahezu wertlos.
Auf den Projektflächen mit Schottersubstrat werden dagegen viele verschiedene Wildpflanzen-Arten ausgesät und eingepflanzt. Bei vielen neu angelegten „Natur nah dran“-Flächen wird der Boden komplett ausgetauscht. Dadurch wird sichergestellt, dass keine Samen von unerwünschten Pflanzenarten mehr im Boden schlummern, die den Wildpflanzen keine Chance zum Austreiben lassen. Durch das Einbringen von mineralischem Substrat wird der Boden zudem ausgemagert, was den Wildpflanzen zu Gute kommt, denn viele regional typische Wildpflanzen brauchen einen lockeren, nährstoffarmen Boden.
Um diesen zu erhalten, wird auf den Flächen Schotter oder grobkörniger Kies eingesetzt. Zudem wird auch gütegesicherter Kompost untergemischt. So kann Regen und Feuchtigkeit gespeichert werden und die eingesäten Pflanzen haben die Chance zu keimen und zu wachsen.

Vorteile

„Staudenbeete sind lebendige Biotope und beliebte Nahrungsquelle bei Insekten“, hebt Marek Lihotan die Vorteile der neu angelegten Beete hervor. „Die gepflanzten Stauden sind trockenheitsverträglich und kommen mit dem Klimawandel gut klar. Da wir nicht mit Vliesen, Folien oder anderen Geweben arbeiten, ist die Wasseraufnahme auch bei Starkregen gesichert. So verdunstet weniger Regenwasser, sondern geht ins Grundwasser über.“
Aktuell befinden sich die Beete in der Blüte und entwickeln sich sehr gut. Nach und nach werden die Stauden ihre volle Grün- und Blütenpracht entfalten. Da die Beete aber erst im vergangenen Herbst angelegt worden sind und es gewöhnlich ein paar Jahre dauert, bis sich die Stauden zu üppigen Pflanzen entwickeln, erwarten wir in den nächsten Jahren eine prächtige Blüte.